Schloss Bollschweil

aus dem 18. Jahrhundert

Eine im Generallandesarchiv in Karlsruhe aufbewahrte Urkunde aus dem Jahre 1472 gibt u.a. Zeugnis davon, daß Hans Snewlin Bernlapp von Bollschweil das seinerzeitige Anwesen vom Hause Österreich, vertreten durch Herzog Sigmund, als Lehen empfangen hatte, wobei die Familie Snewlin bereits im 13. Jahrhundert als in Bollschweil ansässig urkundlich erwähnt wird. Nach wie vor sichtbares Zeugnis aus dieser längst vergangenen Zeit ist der neben der Türe zur ehemaligen Waschküche eingemauerte Grabstein eines bereits im Kindesalter verstorbenen Nachfahren der Snewlins.

Die Herrschaft Bollschweil verblieb bis ins 19. Jahrhundert im Besitz der Snwelin Bernlapp von Bollschweil, wenn auch das ursprünglich im heutigen Untergarten erbaute Wasserschloß im Bauernkrieg zerstört wurde. Am 19. Juli 1837 starb in Freiburg der Großherzoglich Badische Kammerherr, der Freiherr Franz Xavier als letzter Vertreter aller breisgauischen Snewlin. Noch zu Lebzeiten hatte er sämtliche Lehen an den badischen Staat zurückgegeben.

Rechtsnachfolger wurde der aus dem elsässischen Ort Berstett stammende badische Staatsminister, der Freiherr Wilhelm Ludwig Leopold Reinhard v. Berstett, dessen Familie im Zuge der Französischen Revolution aus Ihrer Heimat vertrieben worden war. Berstett war als badischer Gesandter beim Wiener Kongress maßgeblich dafür verantwortlich, daß Baden seine Unabhängigkeit bewahren konnte. Hierfür belohnte ihn der Großherzog mit einer Anzahl von Gütern und Schlössern, darunter Bollschweil. Trotz der politischen Natur seiner Verdienste kursierten bald Gerüchte, wonach der Baron in den zeitgenössischen, legendären Skandal um die Affäre Kaspar Hauser verwickelt gewesen sein soll. Bollschweil als Schweigegeld? Erfahren wird man es nie.

Als die Enkelin Reinhard v. Berstett's, Amélie, den großherzoglichen Oberstallmeister, Adolf v. Holzing heiratete, erhielt die Familie 1864 das Recht, den Doppelnamen Holzing-Berstett zu führen, da es keine männlichen Nachkommen Berstetts gab. Schloß und Gut Bollschweil gingen in den Besitz der heutigen Eigentümer über. Das Haus jedoch blieb leer. Es war unbewohnbar, das Haupthaus nicht zu heizen, die Seitenflügel waren Scheunen und Schafställe.

Erst nach der deutschen Niederlage im ersten Weltkrieg zog der Oberst und Flügeladjutant Kaiser Wilhelms II, der General Max Reinhard Freiherr v. Holzing-Berstett (Sohn von Amélie) nach Bollschweil. Seine Frau Elsa, eine geborene Freiin v. Seldeneck, hatte auf sein Geheiß hin die Schafställe ausbauen lassen und die Zentralheizung eingebaut. Der älteste Teil des in Hufeisenform angelegten Gebäudekomplexes ist der Trottschopf, eine offene Halle, errichtet im 30-jährigen Krieg, in der früher Wein getrottet wurde. Heute wird er die "Reitbahn" genannt. Der General, ein berühmter Dressurreiter trainierte dort seine Pferde.

In der Mitte des Hofes, umgeben von vier, über 200 Jahre alten Linden steht ein Brunnen mit einem Nepomuk als Wächter. Wendet man sich nach Westen und betritt die Stufen der kürzlich hergerichteten Gartentreppe überblickt man den nach französischem Vorbild gestalteten Untergarten. Die Anlage ist das Werk des Sohnes des Generals Adolf Max genannt Peter. Aus russischer Gefangenschaft geflohen, erbaute er 1952 an der nordlichen Peripherie ein weiteres Wirtschaftsgebäude, welches sein Sohn Adrian und dessen Frau Franziska, heutige Besitzer und Bewohner des Schlosses zu Wohnungen umbauen ließen. Zum Anwesen gehören landwirtschaftlich genutzte Ackerflächen und der Kohlwald in unmittelbarer Nachbarschaft des Dorfes.

Im 20. Kapitel ihres Prosawerkes "Beschreibung eines Dorfes" hat Marie Luise Kaschnitz, die Schwester Peters, ihrem Vaterhaus, dem "Haus Nr. 84", ein literarisches Denkmal gesetzt.

Schloss Bollschweil 1917 - Haus Nr. 84

Freiherr von Holzing 1926

Freifrau von Holzing 1918

Schloss Bollschweil Blick aus dem Park

Schloss Bollschweil Brunnen

Schloss Bollschweil

Schloss Bollschweil

Schloss Bollschweil

Schloss Bollschweil